Carpe diem 254

Maria Kulikovska (*1988 in Kertsch, Ukraine) gilt - auch oder gerade nach der Vertreibung aus ihrer Heimat - als eine der einflussreichsten Künstlerinnen ihres Landes.

 

Die Multimediakünstlerin und Performerin nimmt  ihren eigenen Körper als Ausgangsbasis und Material für Skulpturale Werke und Performances. Den Körper aus architektonischen Strukturen heraus zu denken und zu formen, bevorzugt mit natürlichen Materialien wie beispielsweise Salz, Milch, Seife oder Zucker, geht sicher auch zurück auf ihr Architektur- und Bildhauereistudium. Diese Nachformung des eigenen Körpers mittels instabiler Materialien ist gleichermaßen Forschung zu den Themen  'Produktion, Konstruktion und Dekonstruktion von Kunstwerken' wie auch Auseinandersetzung mit der 'Verewigung, Transformation und Vergänglichkeit von Körper'.

 

'Carpe diem' - eine Werkreihe, die auch bei der NordArt 2021 zu sehen war, besteht aus fünf Abgüssen der Künstlerin.

Eingebettet in das Epoxidharz, aus dem die 'performativen Skulpturen' gegossen wurden, sind metaphorische Gegenstände.

Sie evozieren durch die unterschiedlichen Symbole und Elemente unter ihrer Haut (z. B. Stacheldraht) traumatische Erinnerungen und Erfahrungen im Leben der Künstlerin.

Die Figuren und Büsten wirken zeitlos schön, entrückt, fragil, aber auch sehr stark und autonom.

Was aus der Entfernung wie eine Komposition griechischer Göttinnen wirkt, lässt beim Näherkommen und Betrachten keinen Zweifel daran zu, dass es sich um eine eine sehr radikale Aufarbeitung eigener wie universaler Frauen-Körper-Geschichte handelt.

 

Maria Kulikovska hat unter anderem die 'Schule für Politische Performance' in Kiew und gemeinsam mit ihrer Partnerin und Frau Jaqueline Shabo die feministische Organisation 'Body and Borders' zur Förderung von Künstlerinnen gegründet.

Die Angst vor dem weiblichen Körper entmystifizieren, die Stärke von Frauen feiern, ihre Werke öffentlich machen - das sind neben dem immerwährenden Kampf für Demokratie und Freiheit - die Botschaften und Ziele von Maria Kulikovska und ihrer Kunst.

Carpe Diem!

 

#subversivekörper