Frauen(rechte) vs Taliban

 

Die 1988 im Iran als Tochter afghanischer Flüchtlinge geborene Hassani begann 2010 mit Graffiti und Straßenkunst, nachdem sie ein Studium der Malerei und der bildenden Kunst an der Universität Kabul abgeschlossen hatte. Die prekäre Situation von Frauen und Mädchen in der von Männern dominierten afghanischen Gesellschaft steht seitdem im Mittelpunkt ihrer Arbeit.

 

In den vergangenen Jahren konnte Shamsia Hassani bereits erste internationale Erfolge feiern. Als erste weibliche Graffiti- und Straßenkünstlerin Afghanistans, die durch ihr mutiges Eintreten für Frauenrechte von sich reden machte, nahm sie an Residenzprogrammen und Galerieausstellungen in zahlreichen nordamerikanischen, europäischen und asiatischen Ländern teil.

 

Seit die Taliban in den vergangenen Wochen eine afghanische Provinz nach der anderen einnahmen und schließlich auch in Kabul die Macht übernahmen, sind Hassanis Werke noch mehr als zuvor eine politische Botschaft: Zwei ihrer aktuellen Werke zeigen Mädchen in leuchtend blauen Hidschabs, die von dunklen, bewaffneten Kämpfern bedroht werden.

 

Besonders unter den Frauen des Landes machen sich Angst und Verzweiflung breit, weil sie fürchten müssen, in einer patriarchalen, konservativen Männergesellschaft unterdrückt und missachtet, wenn nicht gar ermordet zu werden.

Viele Frauenhaben sich inzwischen in Kabul in ihren Häusern verschanzt, Künstler*innen haben aus Angst vor Verfolgung und Inhaftierung ihre Accounts in den sozialen Netzwerken gelöscht.

Künstlerinnen befinden sich in doppelter Hinsicht in einer gefährlichen Lage: Sie sind als Frauen und als Kreative im Fokus der Taliban, die Kunst als Verstoß gegen ihre strenge Auslegung des islamischen Rechts sehen. "Einige Leute denken, dass Kunst im Islam nicht erlaubt ist, und glauben, sie müssten mich aufhalten. Wenn viele konservative Köpfe zusammenkommen, sind sie sehr mächtig und können alles tun", sagte Hassani bereits 2016 in einem Interview der "Vice".

 

Nach der Übernahme Kabuls durch die Taliban hält sich Shamsia Hassani an einem sicheren geheimen Ort auf. Sie wird nicht aufgeben und veröffentlichte am 18.08.2021 ein neues Bild ihrer jüngsten Serie: "Tod der Dunkelheit". 

 

 

Eine Organisation, die seit Jahrzehnten Mädchen und Frauen in Kriegs- und Krisengebieten unterstützt und auch in Afghanistan Frauenprojekte (Rechtsberatung, Bildung, Kultur) begleitet und berät, ist die von Monika Hauser 1993 gegründete Hilfsorganisation medica mondiale.

Die MitarbeiterInnen von medica mondiale hoffen nun wie viele andere auch, baldmöglichst aus dem Land ausgeflogen zu werden, da sie wie viele Frauen in im Land um ihr Leben und das ihrer Familien fürchten müssen.