Biographie, Körper, Performance II

Das diesjährige Performance Arts Festivals Berlin (PAF) findet vom 28. Mai - 2. Juni an unterschiedlichen Orten in Berlin statt. PAF 2019 beinhaltet wie immer eine große Bandbreite an Produktionen, die die unterschiedlichen Ausrichtungen von Performances wiederspiegeln: von performativem Sprechtheater über Tanz-, Musik und Körperperformances hin zu Multimedia-Inszenierungen und zu Interventionen  im öffentlichen Raum.

 

Hier eine kleine Auswahl meiner Highlights:

 

MUSE

An experimental session in life drawing and discussion

Cameryn Moore/Little Black Book Production

In einer Welt, in der wir lernen, die Körper anderer Menschen zu hassen und unsere eigenen zu fürchten, bietet uns MUSE die Chance, stattdessen Zugang zu diesen Körpern zu finden. Der erste Teil von MUSE ist eine Aktzeichnenstunde mit der preisgekrönten Performerin Cameryn Moore als Modell (plus-sizd). In Abweichung von Kunstweltnormen bleibt sie dabei nicht still, sondern erzählt in einem Bewußtseinsstrommodus Geschichten über die Existenz in einem Körper, der im Atelier und in der Öffentlichkeit ständig auf dem Prüfstand steht.

 

Queens

Rising. Nadja Haas, Christine Bonansea, Kathleen Hermsdorf, Mata Sakka, Inga & Superhand

Was ist wirklich weiblich? Vier „Queens“ unterschiedlicher Herkunft stehen in einem Kreis. Sie richten den Blick auf den weiblichen Körper und das Frauenbild unserer Gesellschaft. Wie werden wir beeinflusst? Die Arbeit lädt das Publikum ein, zeitgenössische Vorstellungen des weiblichen Körpers als Inhaber*in und Zuschauer*in zu untersuchen.

 

Nothingness/SOLVING TORSION ALONE/The Childhood I Kept To Myself/MIMOWERK IV

Sarah Jegelka & Hannes Buder/Greta Salgado Kudrass/Edegar Starke/Joséphine Auffray

„Nothingness” ist ein Tanztheaterstück, das sich auf die Suche nach nichts anderem als dem Nichts begibt. In „SOLVING TORSION ALONE” bearbeitet Greta Salgado Kudrass vielfältige physische und situative Manifestationen von Aggressivität. „The Childhood I Kept To Myself” ist eine Körperrecherche, die die Vielschichtigkeit des Einzelnen untersucht und in „MIMOWERK IV“ begibt sich Joséphine Auffray auf eine Reise durch verschiedene Persönlichkeiten ihrer selbst.

 

kırmızı

Sophie Bogdan

Was bedeutet es, Frau zu sein? Wie will die Gesellschaft eine Frau sehen? Die Solo-Performance untersucht die Entwicklung vom Mädchen zur Frau. Die Transformationen werden in verschiedenen Momentaufnahmen, wie der Geburt, den ersten spielerischen Schritten als Kind oder dem Entdecken der eigenen Sexualität, erforscht.

 

Apollon

Florentina Holzinger/CAMPO

Was will die perfekte Frau* und was will das Publikum von ihr? „Apollon“ kombiniert Fin-de-Siècle-Freakshow mit Live Art der 60er Jahre zu einem Spektakel physischer Virtuosität. Mit einer ästhetischen Gratwanderung zwischen okkultem Fitnessstudio, Cyborg-Stierkampf und neoklassischem Ballett bietet Holzinger einen neuen Blickwinkel auf die Choreografie und überbrückt die Kluft zwischen hoher Kunst und Entertainment.

 

Chronik der Zukunft

Wir machen strahlend weiter

ADAPTER

Tschernobyl 1987, Fukushima 2011 – in einem Rundgang durch die Geschichte rechnen die beiden Performer*innen Juliane Torhorst und Katja Tannert mit der (Atom-)Politik ab. Unaufhaltsam drängt sich dem Publikum dabei die Absurdität unserer heutigen Ahnungslosigkeit und hilflos anmutenden Kurzsichtigkeit auf. Pate steht in dieser Performance die Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Alexejiwitsch und ihre „Stimmen aus Tschernobyl – Chronik der Zukunft“.

 

AMALGAM SoloFest (siehe Foto)

Momente des tiefen Ausdrucks

AMALGAM Kollektiv

 

Das AMALGAN Solofest bringt diverse Menschen und Realitäten zusammen, indem es einen Raum schaffen möchte für gemischte Identitäten. Nach einer Reise voller Performance-, Tanz-, Musik-, Installations- und improvisierten Feedbackformaten stellt sich an diesem Abend jedoch die wichtigste Frage: Wie lange wird es dauern, bis die Gäste selbst das Tanzbein schwingen werden?

 

 

DOLLS2

Sirje Aleksandra Viise mit Genoël von Lilienstern

Nach „DOLLS 1“, einer 24 stündigen Solo-Performance von 24 großen Opern im Barbie-Format, kommt nun „DOLLS 2“, eine performative Reaktion auf den Stellenwert von Frauen und Arbeitsbedingungen in der Kulturpolitik. Neoliberale Outsourcing-Prozesse haben zu einer Privatisierung des Einkommens aller Angestellten von Dolls und einer permanenten Vermietung des Hauses an die Kreativwirtschaft geführt. Ohne Bühne und ohne Darsteller*innen ist „DOLLS 2“ eine performative post-apokalyptische Zukunftsvision einer kosten-/gewinnoptimierten Kunst.

 

 

Der Kartenvorverkauf hat begonnen; das komplette Programm findet ihr hier:

 https://performingarts-festival.de/de/paf-2019