Lyrikpreis für Frauen

  „So will ich auch unter mein Schicksal treten, mag es hoch wie ein Turm, mag es schwarz und lastend wie eine Wolke sein.“  Gertrud Kolmar

 

Die jüdisch-deutsche Dichterin und Schriftstellerin Gertrud Kolmar (Geburtsname Gertrud Käthe Chodziesner; geboren in Berlin am 10.12.1894, verstorben im März 1943 in Auschwitz) schuf ein lyrisches Werk von großer Einprägsamkeit und visionärer Kraft. Zu ihren Lebzeiten wurde davon nur wenig veröffentlicht; sie blieb auch lange nach dem Krieg unbekannt.

Ihre Gedichte kreisen um die vielfältigen Aspekte der weiblichen Identität, um Natur und Tiere als Gegenpol zur destruktiven Zivilisation und um das Leiden des jüdischen Volkes.  

Der 1931 verfasste Roman Eine Mutter wurde erst 1965 gedruckt. Den Gedichtband ‚Die Frau und die Tiere‘ veröffentlichte Kolmar 1938 in einem jüdischen Verlag – bald darauf wurde das Buch von den Nazis eingestampft. Ein Kritiker erklärte sie zur »bedeutendsten jüdischen Lyrikerin seit… Lasker-Schüler«.

 

In ihren Gedichtzyklen gibt sie den Frauen Raum und Gestalt, „die mit ungebärdigem, rebellischem Gestus ihren Lebensanspruch aussagen, sich gegen Unterwerfung und Verachtung zur Wehr setzen und auch im Erleiden ihr Selbstbewusstsein nicht aufgeben“. (Schlenstedt).  

 

Kolmar erwog die Emigration während der Naziherrschaft in den 30er Jahren, blieb dann jedoch mit ihrem Vater in Deutschland. Ab Juli 1941 musste Kolmar in einer Fabrik Zwangsarbeit verrichten. Im September 1942 wurde ihr Vater nach Theresienstadt, fünf Monate später sie selbst vermutlich nach Auschwitz deportiert. (Quelle: Fembio)

  

Fixpoetry hat nun einen Lyrikpreis für Frauen ausgeschrieben und ihn nach dieser wunderbaren Lyrikerin/Autorin benannt: 

 

Es gibt Literatur. Keine Frauenliteratur. Frauen schreiben. Frauen schreiben Gedichte.

 

Aber Frauen werden bei Preisvergaben verlässlich weniger oft ausgezeichnet. Fixpoetry nimmt sich die Freiheit, etwas zu tun. Um ein Zeichen zu setzen, schreiben wir einen Lyrikpreis aus, der sich ausschließlich an Frauen richtet. Diesen Preis widmen wir der Schriftstellerin Gertrud Kolmar.

 

Eine fünfköpfige Jury wird die Preisträgerinnen im Laufe des Sommers 2019 ermitteln. Die Preisverleihung findet im September 2019 in Hamburg statt, zwei Lesungen der Preisträgerinnen in Berlin und München werden folgen. Abschließend werden wir das Projekt analysieren und unsere Auswertungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

 

Teilnehmen können alle deutschsprachigen Autorinnen, unabhängig von Alter und Nationalität. Mit „Frauen“ sind hierbei, wie bei allen FIXPOETRY-Projekten, alle Frauen gemeint, ob cis*, trans* oder inter*.

 

Es können bis zu fünf Gedichte eingereicht werden. Die eingereichten Gedichte dürfen bis zum Tag der Preisverleihung im September 2019 weder in Buchform noch in anderen Medien erschienen sein oder erscheinen.

 

Ausschreibung/Bewerbungsverfahren: https://www.fixpoetry.com/gertrud-kolmar-preis