Berlin Biennale im Endspurt

Dear History, we don't need another Hero, so die Eingangsworte der Kuratorin Gabi Ngcobo, die auf dieser Biennale deutliche Akzente setzt in der Bezugnahme auf Geschichte und Geschichtsdeutung außerhalb des üblich bespielten europäischen Raums und der üblicherweise männlich geprägten Erinnerungskultur.

 

Dear History, this revolution has Women, Gays, Queers, Trans - remember that....auch dies wird deutlich auf dieser Biennale, die eine weibliche, eine queere Sichtweise in den Mittelpunkt rückt.

 

We are done yet - wir sind noch nicht fertig; eine Biennale, die den offenen Prozess fordert, fördert, dokumentiert.

 

"Diese 10. Berlin Biennale ist eine Reise auf der wir uns eine Grammatik für das Unbekannte erschließen. Zu Beginn unserer Reise gibt es die Berlin Biennale schon zwanzig Jahre, und dies ist die 10. Ausgabe - das heißt wir stehen an einem historischen Wendepunkt. Diese Wegkreuzung verlangt, dass wir uns hr behutsam nähern, bevor wir weitergehen oder abbiegen. Der Umstand, dass wir heute an diesem kritischen Punkt stehen, erfordert zudem eine introspektive Herangehensweise. Hier können die Dinge leicht kollidieren und einen Zustand der Verwirrung oder der Verunsicherung hervorrufen. Und hier können wir unsere Einstellungen zur Welt und zu den Menschen, mit denen wir sie teilen, noch ändern.

We don't need another hero ist ein kollektiver Dialog und ein Raum, in dem sich ein historischer Prozess artikuliert, der bereits lange in Bewegung ist - hier in Berlin und in vielen Teilen der Welt. Das Auflösen und Neukonfigurieren von jahrhundertelang unterdrückten Vokabularien und derer Komplexitäten ist eine Unternehmung, die uns in Zustände der Unordnung und Verwirrung hineingeworfen hat; e ist "ein Programm absoluter Umwälzung", um Franz Fanon zu zitieren. Die 10. Berlin Biennale bietet einen Plan an, wie wir dem kollektiven Wahnsinn begegnen; sie bietet eine Plattform für kollektives Träumen und Handeln..." Gabi Ngcobo

 

Diese an fünf  - für mich sehr stimmigen - Orten stattfindende Biennale berührt tief, da sie die biographische und emotionale Seite von Geschichte(n) übermittelt und nicht bei Allgemeinplätzen, Kollektivtrauer oder -empörung stehen bleibt. Ich sehe, höre, begegne Individuen und ihren unterschiedlichen Identitäten.

 

Ich werde als Besucher*in Teil ihrer Geschichte und sie damit auch meiner. Eine distanzierte Haltung lässt sich hier - für mich - gar nicht einnehmen und das erschrickt mitunter auch, aber es ermöglicht genau die Begegnungs-Momente , die im Gedächtnis und im Körper gespeichert bleiben.

Ein großer Dank für diese Leistung: für den Mut, die Ehrlichkeit, die Kraft der Träume, die Wahrhaftigkeit, das revolutionäre Potential; für Kunst aus dem Leben und für Leben -  Aller.

 

WE DON'T NEED ANOTHER HERO

10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

9.6.-9.9.2018

www.berlinbiennale.de